Meinhard

♂, Bischof von Üxküll (Livland)


† Üxküll 14. 08 oder 1196-10-11

Leben

Augustinerchorherr in dem Stift Segeberg (Holstein). Stammte wahrscheinlich aus einer Ministerialenfamilie des Erzbistums Hamburg-Bremen. Zwischen 1182-84 reiste mit deutschen Kaufleuten an die untere Düna. Um 1184 erhielt die Erlaubnis des russischen Fürsten von Polock zur Missionstätigkeit und begann, unter den Liven den christlichen Glauben zu predigen. Errichtete eine Holzkirche im livischen Dorf Ykeskola (Üxküll) und taufte einige Liven. Im Winter 1184/85 erlebte einen Überfall der Litauer und musste in die Wälder fliehen. 1185 ließ Bauleute und Steinmetzen aus Gotland kommen und eine steinerne Kirche und eine kleine Burg in Üxküll erbauen, später noch eine Burg auf der Insel Holme. 1186 reiste nach Bremen, von Erzbischof Hartwig II. von Hamburg-Bremen zum Bischof von Üxküll geweiht. 1188 das Bistum Üxküll (episcopatus Ixcolanensis) von Papst Clemens III. bestätigt und der Metropolie Bremen unterstellt. 1192-93 schickte den Zisterziensermönch Theoderich von Treyden nach Rom, um päpstliche Hilfe für die wegen des wiederholten Abfalls der Liven gefährdete Mission zu erhalten. 1196 in Üxküll gestorben. Am 8. September 1993 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen

Bibliographie

Bruiningk, Die Frage der Verehrung der ersten livländischen Bischöfe als Heilige, Sitzungsberichte 1902, S. 3–36; Biezais, Bishof Meinhard zwischen Visby und der Bevölkerung Livlands, Kirche und Gesellschaft im Ostseeraum und im Norden vor der Mitte des 13. Jh., hrsg. S. Ekdahl, Visby 1967, S. 77–98; Angermann, Meinhard, der Apostel Livlands, Bonn 1986; Hellmann, Die Anfänge christlicher Mission in den baltischen Ländern, Studien über die Anfänge der Mission in Livland, hrsg. M. Hellmann, Sigmaringen 1989, S. 7–36; Hellmann, Bischof Meinhard und die Eigenart der kirchlichen Organisation in den baltischen Ländern, Gli Inizi del Cristianesimo in Livonia-Lettonia, Vat. 1989, S. 9–30; Hucker, Die Herkunft des Livenapostels Meinhard, Studien über die Anfänge der Mission in Livland, S. 36–38; Jensen, The Nature of the Early Missionary Activities and Crusades in Livonia, Medieval Spirituality in Scandinavia and Europe, hrsg. Ed. L. Bisgaard u. a., Odense 2001, S. 121–137; Mänd, Saints’ Cults in Medieval Livonia, The Clash of Cultures on the Medieval Baltic Frontier, hrsg. A. V. Murray, Farnham 2009, S. 191–223; Zühlke, Bischof Meinhard von Üxküll: Ein friedlicher Missionar? Ansätze zu einer Neubewertung. Ein quellenkundlicher Werkstattbericht, Hansische Geschichtsblätter 127 (2009), S. 101–121; Zühlke, Zerschlagung, Verlagerung und Neuschaffung zentraler Orte im Zuge der Eroberung Livlands: Die räumliche Neuordnung als ein Schlüssel zum Erfolg?, Leonid Arbusow (1882–1951) und die Erforschung des mittelalterlichen Livland, hrsg. I. Misāns, K. Neitmann, Köln u. a. 2014, S. 165–185; Selart, Meinhard, Berthold, Bernhard — kein Heiliger für Livland, Credo: Christianisierung Europas im Mittelalter, Petersberg 2013, Bd. 1, S. 434–440