Suchten, Alexander v.

0000000118507879 [isni.org, viaf.org], ♂, Alchemist, Arzt, Dichter, Domherr, Fachschriftsteller

Genealogie

V.: Georg v. S.

M.: Euphemia, geb. Schultz

* um 1520 Gdańsk (Danzig)
+ zwischen 1575 und 1590

Haupteintrag

Aus Danziger hoch angesehenem Patriziergeschlecht von Zuchta, vormals am Rhein ansässig. Ca. 1520 in Danzig geboren. Um 1535 auf Gelehrtenschule/Gymnasium in Elbing unter dem Niederländer Wilhelm Gnaphaeus. Seit dem 14.12.1538 durch seinen Onkel Frauenburger Domherr, inkl. ermländische Gütern. 1541 Veröffentlichung einiger Gedichte, gedruckt von Wilhelm Gnaphaeus. Studierte ab 19.1.1541 vier Jahre lang Philosophie und Medizin in Löwen, zwischenzeitlich evtl. zwischen 1543 und 1545 auch in Italien zur Fortsetzung der Studien. Beginn seiner größeren literarischen Tätigkeit. 1541 nach Rom wegen Prozess gegen seinen Onkel Alexander Scultetus (Häresievorwurf). Auf Betreiben des Bischofs Johannes Dantiscus und Caspar Hanaus verlor er 1545 Güter an Caspar Hanaus und seine Domherrenstelle, Vorwurf: Ketzerei, „Sakramentierer“. Beim Prozess zur Wiedererlangung seiner Güter erhielt er Unterstützung vom Astronom Nicolaus Copernicus. 1545 in Königsberg am Hof Herzog Albrechts von Preußen. Verzichtete am 28.8.1545 zugunsten seines Bruders Barthold auf den Danziger Besitz und alle Erbschaft, dieser wurde an seinen Bruder überschrieben. Nähere Beziehungen zu Angehörigen der 1544 gegründeten Universität: Georgius Sabinus, Rektor der Universität, und Felix König (Polyphemus), herzöglicher Bibliothekar. Literarisch tätig, verfasse u.a. Vandalus (veröffentlicht 1547) und Elegien. Erhielt 1546 ein fürstliches Stipendium. 1549-1553 am Hofe des exilierten Pfalzgrafen von Neuburg und Kurfürstens Ottheinrichs/ Otto Heinrichs in Weinheim und Heidelberg als Alchemiker, Arzt und Bibliothekar. Einblicke in dessen „Kunstbücher“, verfasste religiöse Schriften, bekannte sich zum Paracelsismus. 1554-1557 am Hof von König Sigismund August I. in Polen, wohl Krakau. 1554 dessen »chief physician« (»Archiater«). 1561 in Wilna in Litauen, behandelte Sigismund August für ein Jahr. Erlangte in Italien den medizinischen Doktortitel. Im März 1563 in Königsberg in Fürstendiensten. Ärztliche Konsiliartätigkeit zur Heilung Herzog Albrechts. 1564-1567 wegen Erbschaftshändel in Danzig. 1569 in Leipzig beim Universitätsmediziner M. Barth. 1569 am Oberrhein und im Elsass, Zusammenarbeit mit dem Arzt Michael Toxites. Veröffentlichte sein Werk De secretis antimonii 1570 in Straßburg, Hauptwerk der Chemiatrie der Frühen Neuzeit. 1570 am Reichstag von Speyer. Laborantische Tätigkeiten im Umkreis des österreichischen Adeligen Johann Baptista von Seebach. 31.10.1574 oberösterreichischer Landschaftsarzt in Linz im Dienst der vier ,Stände der Ehrsamen Landschaft ob der Enns‘. Zwischen 1575 (Akte über seinen Nachlass) und 1590 (in Prozessakte für verstorben erklärt) gestorben

Werke

(1.) Alexander von Suchten: Chymische Schriften. Hrsg. von Ulrich C. Dagitza. Frankfurt a.M. 1680 (enthält auch in ihrer Echtheit umstrittene Texte); (2.) – Vom Antimonio Oder Spießglaß. In ders.: Chymische Schrifften. Hrsg. v. Ulrich C. Dagitza. Frankfurt/M. 1680, S. 229-304; (3.) – De Secretis Antimonij liber vnus. Das ist/ Von der grossen heymligkeit des Antimonij die Artzney belangent. Hrsg. von Michael Toxites. Straßburg 1570 mit dem Abdruck vier eigener lat. Elegien (104-116), darin sein Galenverdikt in Ad Apollinem in catarrho pestilentiali. Elegia quarta. Dass. unter abweichenden Titeln und Zusammenstellungen: Mömpelgard: Jakob Foillet 1598,1604 (ab dieser Edition von S. eingefügt: Clavis Alchemiae De Secretis Antimonii sowie ein fragmentarischer Dialogus [über die Wassersucht]. Weitere Ausg.: Hrsg. von Johann Thölde (parallel zu seiner Ausgabe des Triumphwagen Antimonii, s. CP III/2, 984-988). Leipzig: Valentin am Ende für Jakob Apel 1604 (mit lat. Gedichten auf S. und Thölde), 1613, Nürnberg: Johann Hoffmann 1675, lat. Übers. von Georg Forberger. Basel: Pietro Perna 1575, engl. Übers. London: Moses Pitt 1670, 1671, zur historischen Überlieferung s. Magia, alchimia, scienza dal ‘400 al ‘700. L’influsso di Ermete Trismegisto. Hrsg. v. Carlos Gilly. Florenz 2002, S. 193; (4.) – Antimonii Mysteria Gemina. Leipzig 1604; (5.) – De tribus Facultatibus. In: Chymische Schriften. Hrsg. von Ulrich C. Dagitza. Frankfurt a.M. 1680, S. 357-382, außerdem S.s Traktat (Einzeldruck, ed. Joachim Morsius. Hamburg 1621) De Vera Medicina, sein Dialogus Chymici Doctoris, & Philosophi praestantissimi (Dialog zwischen Alexander und Bernhardus mit autobiogr. Hinweisen), zu Hss. (UB Greifswald, LUB Kassel) von De tribus Facultatibus, auch in dt. Übers., s. Magia, alchimia, scienza dal ‘400 al ‘700. L’influsso di Ermete Trismegisto. Hrsg. v. Carlos Gilly. Florenz 2002; (6.) – XVII. Positiones, quibus liquide demonstratur. Quid Medicus sit, quid Medicina ipsius, item quibus remedis aegritudines a corporibus humanis expellantur. (wissenschaftl. Reformprogramm, ca. 1561, eingegangen in Prosatraktat De vera medicina) In ders.: Chymische Schrifften. Hrsg. v. Ulrich C. Dagitza. Frankfurt/M. 1680, S. 462-486, 3 Hss. (wohl Abschriften) in BG Danzig, BV Rom und UB Erlangen verzeichnet in: Magia, alchimia, scienza dal ‘400 al ‘700. L’influsso di Ermete Trismegisto. Hrsg. v. Carlos Gilly. Florenz 2002, S. 193; (7.) – Vandalus [...]. Addita Est Epistola / Lucretiae ad Eurialum: Danzig. Johannes Weinreich 1547, darin auch Gedicht von G. Sabinus auf S. sowie S. an Sabinus: Elegia de Morte Petri Bembi, dies auch in Georg Sabinus: Poemata. Leipzig 1563 u. ö., 295f. bzw. 391-393, zu hs. Dedikationsgedicht an Herzog Albrecht s. Molitor: Alexander von Suchten, ein Arzt und Dichter aus der Zeit des Herzogs Albrecht. In: Altpreußische Monatsschrift. Nr. 19, 1882, S. 480-488; (8.) – Zween Tractat, Vom Antimonio. Mömpelgard 1604; (9.) – Lat. Gedicht Ad Carolum Salisburgensem (28 Distichen), später (1570) unter dem Titel: De Vera Medicina. In: Paracelsus: Medici Libelli. Hrsg. von Balthasar Flöter. Köln: Arnoldus Byrckmans Erben 1567; (10.) – De Lapide Philosophorum. In: Raimundus Lullus: Libelli aliquot Chemici. Hrsg. von Michael Toxites. Basel: Pietro Perna 1572 u. ö. (zu den Drucken s. Joachim Telle: Johann Arndt – ein alchemischer Lehrdichter? Bemerkungen zu Alexander von Suchtens ‘De lapide philosophorum’ (1572). In: Strenae Natalicae. Neulateinische Studien. Hrsg. v. Hermann Wiegand. Heidelberg 2006, S. 231-246); (11.) – Konsilium (1563). Ed. Haberling (1929), S. 202; (12.) – De Visione [Dichtung]. In: Paulus Scalichius. Apologia. 1567; (13.) – Ad Dialogum de morte. An: Valentin Weigel: De cristianismo. Halle 1614, 99-104; (14.) – Zwei biblische Perikopengedichte (s. Franz Buchholz: Die Lehr= und Wanderjahre des ermländischen Domkustos Eustachius von KnobelsdorfT. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des jüngeren Humanismus und der Reformation, in: Zeitschrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands 22 (1926), S. 61-134, 177-255, hier S. 186) in: Guilielmus Gnaphaeus: Prima Aelbingensis scholae foetura. Danzig: Franz Rhode 1541; (15.) – Korrespondenz mit Peter Sator, Balthasar Gans und Paul Skalich und Korrespondenz mit und ärztl. Gutachten für Herzog Albrecht von Preußen (GSTA Preußischer Kulturbesitz Berlin): Aufstellung bei Thomas Anselmino: Medizin und Pharmazie am Hofe Herzog Albrechts von Preußen (1490-1568). Hbg. 2003, passim (Reg.). - Lauren Kassell: Medicin and Magic in Elisabethan England [...]. Oxford 2005, 327f., Abdrucke bei Haberling (1929), bes. 184-187 (Brief von 1545) und Gutachten 198-206

Nachweise

Carlos Gilly: Paracelsianism brings forth a fine hermetical treatise: Suchten’s ‘De tribus facultatibus’. In: Magia, alchimia, scienza dal ‘400 al ‘700. L’influsso di Ermete Trismegisto. Hrsg. v. Carlos Gilly. Florenz 2002, Bd. 1, S. 193-198; Wilhelm Haberling: Alexander von Suchten, ein Danziger Arzt und Dichter des 16. Jhd.. In: Zeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins. Nr. 69, 1929, S. 175-230; Wilhelm Haberling: Neues aus dem Leben des Danziger Arztes und Dichters Alexander von Suchten. In: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Nr. 24, 1931, S. 117-123 (mit Abdruck zweier Epigramme); Włodzimierz Hubicki: Alexander von Suchten. In: Sudhoffs Archiv für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Nr. 44, 1960, S. 54-63; Oliver Humberg: Die Verlassenschaft des oberösterreichischen Landschaftsarztes Alexander von Suchten (†1575). In: Wolfenbütteler Renaissance-Mitteilungen. Nr. 31, 2007, S. 31-51; Wilhelm Kühlmann, Joachim Telle (Hrsg.): Corpus Paracelsisticum. Dokumente frühneuzeitlicher Naturphilosophie in Deutschland. Bd. 1: Der Frühparacelsismus. Erster Teil. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann und Joachim Telle. Tübingen: Niemeyer ersch. 2001; Wilhelm Kühlmann: Art. ‚Suchten, Alexander von‘. Erscheint Ende des Jahres 2016 in: Frühe Neuzeit in Deutschland 1480-1520. Hrsg. v. dems., Jan-Dirk Müller, Michael Schilling, Johann Anselm Steiger u. Friedrich Vollhardt. Berlin, Boston 2011ff. [wurde freundlicherweise von Hr. Prof. Dr. Kühlmann zur Verfügung gestellt]; Carl Molitor: Alexander von Suchten, ein Arzt und Dichter aus der Zeit des Herzogs Albrecht. In: Altpreußische Monatsschrift. Nr. 19, 1882, S. 480-488; Karl Schottenloher: Pfalzgraf Ottheinrich und Alexander von Suchten. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins N. F. 41 (1928), S. 602-604; Joachim Telle: Suchten, Alexander von. In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, hrsg. von Wilhelm Kühlmann, Bde. 1-15, Gütersloh/München 1988-1993, Bd. 11 (1991), S.279f.; Joachim Telle: Johann Arndt – ein alchemischer Lehrdichter? Bemerkungen zu Alexander von Suchtens ‘De lapide philosophorum’ (1572). In: Strenae Natalicae. Neulateinische Studien. Hrsg. v. Hermann Wiegand. Heidelberg 2006, S. 231-246, überarb. auch in Ders.: (2013), 461-486; Rudolph Zaunick: Der sächsische Paracelsist Georg Forberger. Mit bibliographischen Beiträgen zu Paracelsus, Alexander von Suchten, Denys Zacaire, Bernardus Trevirensis, Paolo Giovio, Francesco Guicciardini und Natale Conti, aus dem Nachlaß hrsg. von Hans-Heinz Eulner und Kurt Goldammer, Wiesbaden 1977 (Kosmosophie, Bd. 4)

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